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Digital Health: effektive Stakeholder-Kommunikation als strategisches Investment in die Zukunft

Anne-Sophie Federspiel und Fabian Scholz über Stakeholderkommunikation im Digital Health Sektor.

Digital Health: effektive Stakeholder-Kommunikation als strategisches Investment in die Zukunft

Gesundheits-Apps, elektronische Patientenakte (ePA), Telemedizin – Nicht erst seit Jens Spahn das Bundesgesundheitsministerium (BMG) leitet und eine eigene Abteilung für Digitalisierung geschaffen hat, dreht sich in seinem Ressort vieles um digitale Anwendungen. Tatsächlich hat die Digitalisierung im Gesundheitswesen längst begonnen. Allerdings manifestiert sie sich in Deutschland deutlich später als in anderen europäischen Ländern. Mit dem E-Health-Gesetz von 2016 und dem in diesem Jahr in Kraft getretenen Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) zieht nun auch die Bundesregierung nach.

Dabei zeigen die jüngsten Debatten über die Auswertung von Patientendaten oder auch die Entwicklung der Corona-Tracing-App zur Nachverfolgung von Infektionsketten vor allem eines: In Deutschland werden datenschutzrechtliche Bedenken tendenziell intensiver und enthusiastischer diskutiert als in anderen Ländern, was angesichts der Sensibilität von Patientendaten durchaus seine Berechtigung hat. Nicht zuletzt ist eine breite Akzeptanzbasis die zentrale Voraussetzung dafür, dass sich der zunehmend datengetriebene Ansatz im Gesundheitswesen auch langfristig durchsetzen kann.  

Doch die Diskussion, ob Datenschutz nur etwas „für Gesunde“ ist, wie Jens Spahn einst postuliert hat, wollen wir an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Viel interessanter ist die Frage, inwiefern Informations- und Kommunikationstechnologien unser Gesundheitswesen zum Positiven verändern können, welche Nutzenpotenziale sich für die verschiedenen Stakeholder-Gruppen ergeben und warum daher gerade jetzt ein vorausschauendes Stakeholder-Management die Handlungsspielräume von Unternehmen, Behörden und Interessenvereinigungen deutlich vergrößern kann.

Leistungserbringer arbeiten effizienter.
In den Krankenhäusern und Arztpraxen ist die Digitalisierung vor allem mit mehr Effizienz verbunden. Durch die Telemedizin kann beispielweise die Versorgung in ländlichen Regionen mit geringer Arztdichte und alternden Gesellschaftsstrukturen begleitet werden. Sie verbessert in Verbindung mit der ePA und dem E-Rezept auch die Kommunikation zwischen Leistungserbringern, Krankenkassen und Versicherten.

Es zeigt sich jedoch, dass in vielen Fällen das nötige Wissen erst noch vermittelt und Vertrauen in digitale Technologien hergestellt werden muss. Unsere Erfahrung in der strategischen Beratung zeigt, dass in komplexen Transformationsprozessen wie derzeit im Gesundheitswesen, die frühzeitige Einbindung aller relevanten Stakeholder entscheidend ist. Deshalb kommt der Kommunikation dabei eine wichtige Rolle zu. Denn nur, wenn der Nutzen digitaler Anwendungen für Leistungserbringer im Gesundheitswesen klar erkennbar ist und gleichzeitig Vorbehalte abgebaut werden, kann die erforderliche Akzeptanz für den flächendeckenden Einsatz solcher Tools systematisch aufgebaut werden.  

Patienten werden zielgerichteter versorgt.
Digitale Anwendungen können entlang des gesamten medizinischen Versorgungpfades Prozesse vereinfachen, Therapien optimieren und die Früherkennung von Krankheiten fördern. Die Patienten profitieren durch eine höhere Qualität der medizinischen Behandlung, wenn beispielweise KI-basierte Bildanalysen Ärzte bei der Diagnose unterstützen oder die automatische Prüfung der Inhaltsstoffe beim E-Rezept Wechselwirkungen zwischen Medikamenten reduziert.

Die Bereitschaft von über einer halben Million Bürgerinnen und Bürger, ihre Fitnessdaten über eine App mit dem Robert-Koch-Institut zu teilen, macht deutlich: Das Vertrauen in digitale Anwendungen steigt, wenn die Datennutzung transparent dargelegt wird, der Datenspender die Hoheit über seine Daten behält und der Anbieter, in diesem Fall das Robert Koch Institut, vertrauenswürdig ist. Daher braucht es für eine hohe Einsatzbereitschaft digitaler Gesundheitsleistungen inhaltlich begründbare Nutzenargumente, die einerseits die Akzeptanz steigern und andererseits zur Versachlichung der Diskussion beitragen.  

Für die Gesundheitswirtschaft ergeben sich Wachstumsperspektiven.
Mit der zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitswesen ergeben sich auch neue Geschäftsmodelle, oder anders gesagt: Viele Unternehmen nutzen das große Innovationspotenzial und treiben die Digitalisierung im Gesundheitswesen aktiv voran. Neben bekannten Technologiekonzernen erobern zunehmend Unternehmen mit neuen Produkten und Dienstleistungen einen hochdynamischen Markt: durch die Entwicklung und Distribution von Gesundheitsanwendungen, die Bereitstellung von Hardware (z.B. Wearables), die Anwendung und das Trainieren Künstlicher Intelligenz oder durch Beratungsleistungen.

Gerade jetzt, wo die Digitalisierung auf ein breiteres Akzeptanzmoment stößt, ist der Zeitpunkt für Digital-Health-Unternehmen günstig, sich gegenüber politischen Stakeholdern und im Markt zu positionieren. Dies gelingt beispielweise durch eine gezielte Vernetzung in der Verbändelandschaft oder die Gründung von Allianzen. Voraussetzung dafür ist ein strategisches Stakeholder-Management, das auf eine mittel- bis langfristige Vergrößerung der unternehmerischen Handlungsspielräume abzielt.

Die Forschung profitiert von standardisierten Datenformaten und dem Zugang zu realen Gesundheitsdaten.
Bislang kann ein Großteil der klinischen Daten aufgrund unterschiedlicher Datenformate oder analoger Dokumentation nicht für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden. Standardisierte Datenformate hingegen sind für Forschungszwecke weiterverwertbar und schaffen eine universelle Vergleichbarkeit. Eine bundesweite und system- sowie sektorenübergreifende Interoperabilität vereinfacht in einem weiteren Schritt auch den innereuropäischen Austausch von Gesundheitsdaten. Zudem bilden strukturierte Daten die Grundlage für die Entwicklung KI-basierter Software, die in medizinischen und pharmazeutischen Bereichen wie der Herstellung neuer Medikamente eine zunehmend wichtige Rolle spielt.

Forschende Pharmaunternehmen haben ein besonderes Interesse an der Verwertung von realen Gesundheitsdaten. Die Etablierung von universellen Datenstandards und Codices für den Umgang mit Patientendaten erfordert einen internationalen Erfahrungs- und Wissensaustausch, der in den Nachwehen der Corona-Pandemie auf ein großes Interesse stoßen wird.

Für den Staat ergeben sich Einsparpotenziale.
Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen wird zu einer Verschiebung von Ausgaben führen und in einigen Bereichen potenziell zu Einsparungen von Versorgungskosten beitragen. Verwaltungsaufwände können abgebaut, Gesundheitsberufe durch die Vereinfachung von Abläufen attraktiver und Doppeluntersuchungen durch höhere Standards in der Diagnose und Therapie reduziert werden. Gleichzeitig sind Behörden und Staatsunternehmen maßgeblich für die Bereitstellung und Weiterentwicklung der technischen Infrastruktur sowie den Schutz von Patientendaten verantwortlich.  

Der Vertrauensvorschuss in öffentliche Institutionen verpflichtet den Staat einerseits zu äußerster Sorgfalt im Umgang mit Gesundheitsdaten. Andererseits kommt ihm die Aufgabe zu, vor dem Hintergrund der drängenden gesundheitsökonomischen, datenschutzrechtlichen, sozialen und technischen Fragen einen Interessenausgleich zwischen allen beteiligten Akteuren im Gesundheitswesen herzustellen und zu koordinieren. Dazu sind regelmäßige Informations- und Dialogangebote wie runde Tische oder Konsultationsformate bewährte Instrumente, die für eine umfassende Beteiligung von Akteuren im Gesundheitswesen herangezogen werden können.     

Die Entwicklungsperspektiven und Interdependenzen im Gesundheitswesen erfordern ein effektives und vorausschauendes Stakeholder-Management.
Der Digitalisierungsschub im deutschen Gesundheitswesen, bedingt durch den politischen Willen und die Innovationskraft zahlreicher Digital-Health-Startups, wird durch die Corona-Krise zusätzlich befeuert. Hier ergeben sich erweiterte Geschäftsmodelle, aber auch die Notwendigkeit, berechtigte unternehmerische Interessen und Positionen im Rahmen aktueller und künftiger Aushandlungsprozesse transparent darzulegen und zu begründen. Hinzu kommt, dass in nur wenigen Branchen eine solch intensive Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und Technologieunternehmen stattfindet. Dies zeigt sich exemplarisch an der gegenwärtigen Entwicklung einer Corona-Tracing-App.

Gleichzeitig erfordert die Ausschöpfung der Nutzenpotenziale, die sich für alle Stakeholder-Gruppen ergeben, eine breitere gesellschaftliche Akzeptanzbasis sowie den systematischen Transfer von Know-how. Für die Politik und Gesundheitswirtschaft ist es daher ein zentrales Anliegen, die Erwartungen von Leistungserbringern, Patienten und deren Vertreterorganisationen im Blick zu behalten und diese im Zuge des weiteren Transformationsprozesses in angemessener Weise zu berücksichtigen. So kann das notwendige Vertrauen geschaffen werden, das für eine datenbasierte Forschung, Medizin und Verwaltung dringend erforderlich ist.    

Es zeigt sich außerdem, dass die Interessen der relevanten Stakeholder-Gruppen hochgradig interdependent sind. Aufgrund dieser wechselseitigen Abhängigkeiten im Gesundheitswesen und des rasanten Tempos, in dem sich die Veränderungen vollziehen, ist ein effektives Stakeholder-Management ein strategisches Investment in die Zukunft.

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